Unterwegs. The Longest Way

Das Mammut – Start in Peking

Von

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Siehe, mein erster Lauftag! Oder vielmehr, der Tag, an dem ich begann, zu Fuß von Peking, einer großen Stadt in China, nach Bad Nenndorf, einer kleinen, äh… Stadt in Deutschland zu gehen.

Ein paar Jahre lang nach hause gehen. Was für eine ehrgeizige Idee! Was für eine alberne Idee! Was für eine peinliche Idee!

Was für eine brillante Idee.

Ich hatte hart damit gekämpft, mit der Idee, zu Fuß nach hause zu gehen. Ich hatte sie ersticken wollen, sie im Schlaf umbringen, doch sie ging nicht weg. Und irgendwann wusste ich, dass ich es tun musste, oder zumindest es versuchen.

Das Bild rechts ist vom 9. November 2007 um 09:48 in meiner Wohnung im Nordwesten von Peking. Es war ein Freitag. Die Leute machten sich für das Wochenende bereit. Ich war bereit, alles hinter mir zu lassen.

REHAGE_BLOG_002Es war mein 26. Geburtstag. Ich hatte mir den Weg selbst zum Geschenk gemacht. Als ich nach einer fast schlaflosen Nacht aufwachte und aus dem Fenster in einen wunderbar blauen Himmel blickte, kreiste ein Gedanke in meinem Kopf: das ist es jetzt!

Und noch ein Gedanke: verdammt.

Ich nahm zum ersten Mal meinen vollen Rucksack auf den Rücken. Er wog fast 30kg. Ich hatte noch nie so viel getragen. Wie genau sollte ich jetzt mit diesem Ding bis nach Deutschland laufen? Ich verfluchte meine dumme Idee.

Ich legte den Schlüssel auf den Tisch, damit ihn der Vermieter später abholen konnte. Die Wohnung war leer. Ich hatte alles ausgeräumt und per Post nach Deutschland geschickt. Es würde dort in drei oder vier Monaten ankommen, was blitzschnell war im Vergleich zu der Geschwindigkeit meiner Füße.

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Ich musste es tun. Ich machte die Tür hinter mir zu. Ich nahm den Fahrstuhl nach unten. Ich tat meine ersten wackligen Schritte aus der Tür meines Apartmentgebäudes hinaus in den Tag. Ich drehte mich um und machte ein letztes Bild, es ist das, was du auf der linken Seite sehen kannst. Der Himmel war immer noch blau.

Dann ging ich.

Ich kämpfte stundenlang. Einmal aß ich in einem gut besuchten Nudelrestaurant zu Mittag. Es fühlte sich an, als ob mich alle auf eine komische Art ansähen. Es war sehr peinlich, dort zu sein und das zu tun, was ich tat, nämlich mein Gewicht wie ein Mammut durch den Nachmittagsverkehr von Peking zu bewegen.

Manchmal hielt ich an, um ein Bild zu machen. Ich sah einen Mann, der auf dem Bürgersteig einen Haarschnitt bekam. Es sah ein bisschen klischeehaft aus, aber ich machte das Bild trotzdem.

Auch ich hatte einen Haarschnitt und eine Bartrasur bekommen, am Tag zuvor, in einer Art selbsternanntem Initiationsritus für denjenigen, der zu gehen beginnt: verliere dein Haar und werde ein Mammut!

Außerdem wusste ich, dass ich Peking vermissen würde.

Englischer Blogeintrag vom ersten Tag auf der Reise: The Longest Way – The First Day

Mein erstes Video vom Weg (mit dem Handy gefilmt, sorry):